Ziel: Huaytapallana – Als Muquis auf 5150 Meter!

So hoch war ich noch nie. Auf über 5000 Metern in den Hochanden in Peru, dort sollte meine erste Wanderung hin gehen. Schon in Deutschland fragte ich mich, wie es sich anfühlen würde, in so großer Höhe zu sein. Jetzt weiß ich es: Es ist wunderbar und extrem befreiend! Dieser Beitrag könnte die Tendenz haben etwas kitschig zu sein, allerdings waren das in diesen Momenten auch meine wirklichen Empfindungen. Jetzt aber einmal von Anfang an:

„Tour Nevada – Huaytapallana y las Lagunas Encantadas“

„Tour Nevada – Huaytapallana y las Lagunas Encantadas“

Mit den Freiwilligen aus Lima, die mich über das verlängerte Wochenende besuchten, wollte ich eine Tageswandertour machen. Bei dem Unternehmen „Peruvian Tours“ buchte ich für uns alle also die „Tour Nevada – Huaytapallana y las Lagunas Encantadas“. Um acht Uhr sollten wir am Plaza de la Constitución sein. In diesem Sinne machte sich die Gruppe, bestehend aus Sara, Riccarda, Lisa, Hannah, Luca und Victor, auf den Weg nach el Centro. Frida wurde leider vor der Wanderung ziemlich krank und so blieben sie und Luis zu Hause. Den ganzen Tag hatten wir auch wenn wir als Gruppe komplett waren, immer das Gefühl irgendjemanden hätten wir verloren. 

Auf dem Weg zur großen Wandertour zum Huaytapallana

Auf dem Weg zur großen Wandertour zum Huaytapallana

Im Bus zum Huaytapallana

Im Bus zum Huaytapallana

Busfahrt zum Huaytapallana - Serpentinen und Staubwolken der rasenden Fahrzeuge

Busfahrt zum Huaytapallana – Serpentinen und Staubwolken der rasenden Fahrzeuge

Kleine Hütten in den Anden auf dem Weg zum Huaytapallana

Kleine Hütten in den Anden auf dem Weg zum Huaytapallana

Zwischenstopp auf dem Weg zur Huaytapallana Tour: Gletscherfluss in den Anden

Zwischenstopp auf dem Weg zur Huaytapallana Tour: Gletscherfluss in den Anden

Um das deutsche Klischee der Pünktlichkeit auch in Peru aufrecht zu erhalten, kamen wir um fast punktgenau acht Uhr an – und warteten folglich über vierzig Minuten, bis der Bus mit einer Truppe von 24 Leuten auf den Weg aus der Stadt heraus machte. Schon der Weg war ziemlich beeindruckend und die Busfahrt ein Erlebnis für sich. Viel zu schnell für die unbefestigte, kurvenreiche und an steilen Abhängen vorbeilaufende Straße, bretterte der Bus durch die Berge. Sanft war etwas anderes. Zwei Stopps wurden gemacht: einmal kauften wir uns reichlich Cocablätter, die gegen eventuelle Soroche (Höhenkrankheit) Wunder wirken und das andere Mal konnte man sein Mittagessen für das Ende der Wanderung bestellen. Während der Busfahrt erzählte unser Guia (Guide) viel über die bevorstehende Wanderung und wollte unter anderem der Gruppe einen Namen geben: Nach kurzer Diskussion entschloss sich die Mehrheit für „Los Muquis“.

An dieser Stelle eine weitere Exkursion in die alte peruanische Geschichte: Ein „Muqui“ ist eine Art Gespenst in der Mythologie der Zentralanden. Ihm wird eine koboldartige Erscheinung und der Beruf eines Minenarbeiters nachgesagt. Außerdem wohnt der Muqui in den Minen oder im Berg, er ist also eine Art Berggeist.  Die Legenden sind von Ort zu Ort und Geschichte zu Geschichte unterschiedlich. In Manchen Geschichten ist der Muqui dem Menschen gut gesinnt und hilft ihm sogar, in anderen verschleppt er kleine Kinder und bringt Minenarbeiter um. Das Wort „Muqui“ stammt von dem Quechua Wort „murik“ ab, was so viel wie „der dich Erstickende“ heißt. So wie viele Wörter auf Quechua mehrere Bedeutungen haben und einzelne Wörter ganze Sätze darstellen können, kann „Muqui“ auch noch mit „humid“ oder „nass“ übersetzt werden. Aus diesem Grund glauben Einige, dass der „Muqui“ vor allem in nassen Gegenden nahe am Wasser vorkommt.

Unsere Wandergruppe hieß also „Los Muquis“. Noch ein paar mehr Höhenmeter hinter uns gebracht, starteten wir unsere Wanderung auf ungefähr 4200 Metern. Zunächst ging es bergab, um gleich darauf aber anzusteigen. Der Blick war schlichtweg schon am Anfang atemberaubend, anders kann ich es gar nicht beschreiben. In alle Himmelsrichtungen in die man schaute befanden sich Berge und noch mehr Berge – und noch höhere Berge. Es war unglaublich. Vor uns bereitete sich eine Lagune mit einem spektakulären Wasserfall auf. Auch auf den Gletscher erhaschten wir den ein oder anderen Blick. Die noch beeindruckendere Kulisse sollte aber erst noch kommen, das war ja erst der Anfang.

Und los geht die Wanderung zum Gletscher Huaytapallana

Und los geht die Wanderung zum Gletscher Huaytapallana

Wandern zum Huaytapallana

Wandern zum Huaytapallana

Lastenpferd in den Anden beim Wandern

Lastenpferd in den Anden beim Wandern

Die Wandergruppe

Die Wandergruppe „Los Muquis“ bei der ersten Lagune

An der ersten Lagune, „Laguna Carhuaccocha“ (4412m ü.d.M.), angekommen, erfuhren wir, dass in dieser Lagune zum letzten Mal auf dieser Höhe Forellen leben, in den nächsten gibt es keine mehr. Das Fischen ist dort aber ausdrücklich verboten. Nach einer Mini-Verschnaufpause ging es gleich weiter – über eine Art Moorlandschaft drüber, wieder bergauf bis zur nächsten Lagune.

Die erste Lagune „Laguna Hatunccocha“ (4597m ü.d.M.) im Rückblick und eine Moorlandschaft

Die erste Lagune „Laguna Hatunccocha“ (4597m ü.d.M.) im Rückblick mit einer Moorlandschaft

Steil bergauf bis zum Ziel: Huaytapallana - Wandern in den Anden

Steil bergauf bis zum Ziel: Huaytapallana – Wandern in den Anden

Mittlerweile spürte man schon deutlich, dass man sich nicht mehr „nur“ auf 3260 Metern befand, sondern eben auf über 4000 Metern. Der Atem wurde schon bei leichter Anstrengung schneller und bergauf war man etwas langsamer als gewohnt unterwegs. Die ersten bekamen Kopfschmerzen und Schwindelgefühl. Da half nur Coca! Da ich mich aber auf den 3260 Metern in Huancayo schon eingelebt habe und sich mein Blutbild hierdurch auch schon ein wenig angepasst hat, habe ich zu meinem Glück keine Probleme bekommen. Das einzige was etwas unangenehm war, dass meine Finger angeschwollen sind und die Haut dadurch etwas gespannt wurde, allerdings war auch das keine wirkliche Beschwerde, wie ich finde. Beim Wandern war die Höhe durch mehr Anstrengung und schnelleren Atem zu spüren, allerdings legte sich dies fast zeitgleich sobald ich eine kurze Pause machte. Die Luft hat sich, wie ich es empfand, nicht dünner sondern eher klarer und reiner angefühlt. Es war eine solche Befreiung in der reinen Natur zu sein und sich frei bewegen und atmen zu können! Es war wunderbar. Ich glaube ich werde hier in Peru noch zu einer Trekkingfanatikerin!

Pure Freiheit und eine atemberaubende Aussicht beim Wandern zum Huaytapallana

Pure Freiheit und eine atemberaubende Aussicht beim Wandern zum Huaytapallana

Das schöne war auch, dass es oft keinen festen Weg gab, sondern man die Hänge ab und zu einfach so hinaufwanderte oder kletterte und man sich seinen eigenen Weg suchen konnte.

Traurige Wahrheit des Müllproblems: auch beim Huaytapallana

Traurige Wahrheit des Müllproblems: auch beim Huaytapallana

An dieser Stelle möchte ich eine eher weniger schöne und romantische Seite der Wandertour ansprechen: Das ewige Müllproblem. Es war wirklich traurig zu sehen, wie viel Müll überall herumlag. Wir konnten es alle nicht verstehen, dass gerade hier an einem so wunderschönen und natürlichem Ort, die Menschen es nicht hinbekommen ihren Müll einfach mitzunehmen. Wie schwer kann das schon sein? Es gab trauriger Weise im wahrsten Sinne des Wortes Müllhaufen über Müllhaufen. Bestehend aus Plastikflaschen, Tüten, Dosen und anderem nicht organischem Müll. Das es in Peru ein großes Müllproblem gibt, ist mir durchaus bewusst. Es war aber trotzdem sehr erschreckend in der Natur das Problem in ähnlichen Ausmaßen wie in der Stadt zu sehen. Auf dem Weg zum Huaytapallana zahlten alle Passagiere einen Nuevo Sol (umgerechnet circa 30 Cent) um die ansässige Gemeinde zu unterstützen sich für den Erhalt der Natur einzusetzen und somit auch das Müllproblem. 

Zurück zur Wanderung: Nach jedem Hügel kam auf dieser Strecke, von der ersten Lagune zur zweiten Lagune, ein weiterer Hügel, bis man irgendwann die blaueste Lagune von allen erreicht hatte: „Laguna Hatunccocha“ (4597m ü.d.M.) Es war wie aus dem Bilderbuch, als hätte jemand die Natur eingefärbt! Das Wasser war nicht mehr richtig blau sondern Türkis! Mit dem Gletscher im Hintergrund ergab das ein unfassbares Bild.

„Laguna Hatunccocha“ (4597m ü.d.M.) - Huaytapallana

„Laguna Hatunccocha“ (4597m ü.d.M.) – Huaytapallana

Bei der zweiten Lagune „Laguna Hatunccocha“ (4597m ü.d.M.) - Vesperpause

Bei der zweiten Lagune „Laguna Hatunccocha“ (4597m ü.d.M.) – Vesperpause

Wir machten eine kleine Vesperpause, denn die anderen aus der Gruppe waren weit hinter uns. Mittlerweile hatten wir anscheinend sogar schon einige Personen von den anfänglichen vierundzwanzig verloren, sie seien umgedreht. Unser Guía (Guide) legte auch ein ziemlich strammes Tempo vor.

Wandern mit spektatkulärem Blick wohin man schaut - mit der „Laguna Hatunccocha“ im Hintergrund

Wandern mit spektatkulärem Blick wohin man schaut – mit der „Laguna Hatunccocha“ im Hintergrund

„Laguna Hatunccocha“ (4597m ü.d.M.) und „Laguna Carhuaccocha“ (4412m ü.d.M.)

„Laguna Hatunccocha“ (4597m ü.d.M.) und „Laguna Carhuaccocha“ (4412m ü.d.M.)

Wir brachen wieder auf und es ging langsam aber sicher schon einen steileren Pfad entlang. Was man dazu sagen muss, ist dass keiner der Wege gesichert ist. Alles ist im Prinzip mehr oder weniger naturbelassen. Die Wege sind selbstverständlich, wenn vorhanden auch unbefestigt und führen zum Teil auch an ziemlich steilen Abhängen und, nach deutscher Einschätzung, gefährlichen Stellen vorbei. Man muss wirklich die ganze Zeit aufpassen wo man hintritt und auf welche Steine man überhaupt treten kann. Das macht das ganze natürlich auch abenteuerlicher! Mittlerweile machte mir die Höhe und Steile der Hänge nicht mehr viel aus – wenn ich langsam ging. Bei der dritten Lagune „Laguna Putcacocha“ (5000m ü.d.M.) angekommen, sah man alle drei Lagunen gleichzeitig.

Ein Peruanischer Freund hat mir später erzählt, dass man sich sagt, die Lagunen würden, wenn es dunkel sei miteinander sprechen. Nicht aber auf Spanisch oder Englisch, sondern auf Quechua: „Los Lagunas Encantadas“ (wie die Tour auch hieß). Man erzählt sich sie würden darüber beraten, dass sie einmal die Plätze tauschen wollen. Eine Legende, die hier aber sehr ernst genommen wird, denn als ich wahrscheinlich etwas skeptisch dreinblickte und es eher für eine nette Geschichte hielt, war es ihm sehr wichtig, mich davon zu überzeugen.

Die 5000 Meter sind bald erreicht! - Huaytapallana

Die 5000 Meter sind bald erreicht! – Huaytapallana

Pferde beim Huaytapallana

Pferde beim Huaytapallana

Wir schlängelten uns langsam die Serpentinen hoch – kamen an grasenden Pferden vorbei – steilen Schluchten und Abhängen und hatten dabei nach vorne und hinten, zur Seite und nach unten überall einen traumhaften Blick. Der Weg war zwar steil und anstrengend, allerdings machte es mir aus einem mir nicht verständlichen Grund nichts mehr aus. Ich brauchte keine richtige Pause mehr als für ein oder zwei Sekunden inne zu halten um dann wieder weitergehen zu können. Und so kurz vor dem Ziel wollte ich vor allem auch nicht mehr anhalten! Noch 150 Höhenmeter waren zu bezwingen seit der dritten Lagune. Ich wanderte also weiter und weiter und weiter – ich kam dem Ziel immer näher.

Huaytapallana

Der Gletscher Huaytapallana ist schon fast greifbar nah

Der Gletscher Huaytapallana ist schon fast greifbar nah

Dann war es plötzlich geschafft! Luca und ich erreichten den Rande des Gletschers als Erste und konnten es beide glaube ich absolut nicht fassen. Erst einmal richtig durchatmen. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig kitschig, allerdings hatte ich das Gefühl ich konnte dort oben (besonders als wir dann tatsächlich auf dem Gletscher waren) seit langem richtig frei durchatmen, als wäre die Luft dort oben klarer. Wahrscheinlich liegt das einfach daran, dass ich ein überwältigendes Gefühl hatte, es bis nach dort oben geschafft zu haben. Endlich! In so einer Höhe war ich wie gesagt noch nie. Es war absolut fantastisch! Im Prinzip spürte man (wenn man sich nicht bewegte) nicht, dass die Luft viel dünner war als in Huancayo.

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Mein erster Blick auf den Gletscher vor mir – Huaytapallana

Die ersten erreichen den Gletscher Huaytapallana!

Die ersten erreichen den Gletscher Huaytapallana!

Mittlerweile war Sara auch zu uns gestoßen und es ging direkt weiter: Auf den Gletscher! Nach einer kurzen Klettertour kletterte zunächst unser Guia die Gletscherwand hoch undHuaytapallana warf dann ein Seil herunter, an dem man sich abstützen konnte – er hielt es lediglich mit eigener Kraft fest. Ich wagte mich als erste hoch und war erstaunt, wie einfach es war die Wand hochzuklettern – das Profil der Wanderschuhe half dabei glaube ich enorm, auch wenn es keine Gletscherschuhe sind. Oben angekommen durften wir eigenständig herumlaufen – Luca und ich merkten irgendwann, dass die Anderen nicht mehr hinter uns waren, da sie eine Pause machten. Da wir aber sowieso schon weit weg waren, wollten wir unbedingt vom Eis herunter und in den Schnee. Es war eines der schönsten Gefühle dort oben angekommen zu sein und dort zu stehen. Ich hatte sogar durch diese Freude mehr als genug Energie um herumzuspringen.

Pure Freiheit und Erleichterung auf dem Gletscher von Huaytapallana!

Pure Freiheit und Erleichterung auf dem Gletscher von Huaytapallana! – voller Energie

Ein letzter Sprint zum richtigen Schnee auf über 5150 Metern - Wir haben es geschafft!

Wir haben es geschafft! Wir stehen im Schnee!

Gletscher Huaytapallana auf 5150 Metern

Gletscher Huaytapallana auf 5150 Metern

Plötzlich wurden wir von unserem Guia zurückgerufen, wir würden uns an den Abstieg machen. Nach so kurzer Zeit auf dem Eis? Wir wunderten uns und dachten nur daran, dass wir noch nicht bei dem ganz weißen Schnee waren! Jetzt waren wir so lange gewandert – das konnten wir nicht zulassen. Luca und ich beschlossen also einen letzten Sprint hinzulegen. Es waren vielleicht fünfzig Meter – allerdings merkte man bei jeglicher Bewegung doch, dass man nicht mehr auf Meereshöhe war. Nach wenigen Metern waren wir schon außer Atem, aber wir sollten uns ja beeilen und wollten unbedingt am Ziel ankommen.  Dazu kam, dass es nun auch noch bergauf ging! Der unberührte Schnee lag am Hang. Die letzten Meter gab ich wirklich alles, ich hatte wirklich mit mir zu kämpfen. Luca warf sich den letzten Meter in den Schnee und gab mir noch die letzte Kraft durch ein paar anfeuernde Worte – mit allerletzter Kraft warf auch ich mich nach vorne um im schönen Schnee zu landen. Was für ein Gefühl! Eigentlich ist es ja nichts so wirklich Besonderes – Schnee gibt es ja auch in Deutschland, irgendwie war es trotzdem besonders. Wir hatten es wirklich und wahrhaftig geschafft! Den Schnee in den Händen zu halten – unbeschreiblich. Der Sprint hatte sich gelohnt.

Ein kurzer Moment des Glücks – der sich aber anfühlt als wäre er jetzt noch in mir, gerade wenn ich darüber nachdenke. Wir mussten zurück. Unser Guia rief schon ungeduldig nach uns. Bei ihm angekommen stiegen wir aber nicht gleich ab, sondern warteten noch auf andere. Er weiß wahrscheinlich wie schwer es immer ist, die ewigen Touris vom Gletscher zu bekommen und versucht einfach von Anfang an, die Leute beisammen zu halten. Dann kam noch eine weitere schöne Überraschung zu dem ohnehin schon überwältigenden Gefühlen hinzu: Hannah und Riccarda spazierten plötzlich trotz deutlich spürbarer Höhenkrankheit zu uns! Unsere Gruppe war wieder komplett. Elf von vierundzwanzig Muquis hatten es auf den Gletscher geschafft – siete de Alemania! Alle sieben Deutschen! Wir konnten wirklich stolz auf uns sein. Das Gefühl auf diesem Gletscher zu stehen, in einer Höhe von 5150 Metern verlieh mir plötzlich wieder ungemeine Kräfte.

Wir haben es auf die 5150 Meter des Huaytapallanas geschafft! Pure Freude und Freiheit

Wir haben es auf die 5150 Meter des Huaytapallanas geschafft! Pure Freude, Freiheit und Stolz

Das machte sich auch vor allem auf dem Rückweg bemerkbar. Ich war so unglaublich glücklich. Ich merkte förmlich wie das Glück durch meinen Körper strömte.

Eine erschreckende Sache möchte ich an dieser schönen Stelle aber anführen: Der Gletscher ist durch die Klimaerwärmung stark beeinträchtig und das kann sogar eine Laie wie ich selbst sehen. Zum einen kann man schon von unten erkennen, dass der Gletscher einmal sehr viel größer war und wie sehr er geschrumpft ist. Zum anderen konnte man zum Teil gefährlich klingende Sturzbäche unter dem Eis spüren und hören, als man auf dem Gletscher selbst stand. Die riesigen Schmelzwassermengen konnte man zudem an den Gletscherflüssen sehen – und die waren erheblich. Auch auf dem Gletscher gab es unzählige Wasserlöcher und auch einige Spalten. Außerdem fand ich es erschreckend, wie „dreckig“ das Eis war – ob das von den unzähligen Besuchern kommt oder von der allgemeinen Umweltverschmutzung, weiß ich nicht, aber beides ist ja letztendlich vom Menschen verursacht.

Trotzdem war der Gletscher in meinen Augen unglaublich schön. Das Gefühl, wie ich dort oben stehe, werde ich glaube ich nie vergessen –

Pures Glücksgefühl aus 5150 Metern

Pures Glücksgefühl auf 5150 Metern

Riccarda beim Abseilen vom Gletscher Huaytapallana

Riccarda beim Abseilen vom Gletscher

Dann war es doch Zeit zu gehen und sich auf den Rückweg zu machen. Als reinen Abstieg kann man das nicht bezeichnen, denn es ging abwechselnd hoch und runter. Für diejenigen, die mit Soroche (Höhenkrankheit) zu kämpfen hatten, war dies gar nicht angenehm. Und trotzdem meisterten sie die Huaytapallanatour am Ende als eine der wenigen, die es aus unserer Gruppe überhaupt schafften. Nun wurde auch Schokolade gegessen was das Zeug hielt, denn beim Aufstieg wurde uns ausdrücklich davon abgeraten. Der Zucker in Süßigkeiten gelangt nämlich fast direkt ins Blut, was den Blutzucker schnell ansteigen lässt, dieser muss allerdings wieder heruntergebracht werden, was Energie und damit auch auf dieser Höhe kostbaren Sauerstoff verbraucht. (Sicher erkläre ich das nicht zu hundert Prozent richtig, so habe ich es aber mit meinen Spanischkenntnissen verstanden und so erschien es mir auch logisch). Auch auf dem Rückweg hatten wir rund herum beeindruckende Aussichten und Bilder vor und hinter uns.

Ich habe es geschafft! Auf dem Gletscher hinter mir war ich

Ich habe es geschafft! Auf dem Gletscher hinter mir war ich gestanden!

Zum letzten Mal ganz oben: die letzte Etappe des Absitegs vom Huaytapallana

Zum letzten Mal ganz oben: die letzte Etappe des Abstiegs vom Huaytapallana

Bevor es an den letzten Abstieg ging, machten wir eine kleine Pause und stärkten uns noch einmal. Das Tal das sich vor uns auftat schien ein perfekter Abschluss zu sein: ein letzter gemeinsamer Abstieg. Um ein wenig von den Soroche-Symptomen abzulenken begannen wir zu singen, was das Bild noch perfekter machte. Es waren schlichtweg lauter perfekte Momente in meinem Empfinden. Ich war wirklich vollkommen glücklich. Dann sichteten wir plötzlich auch noch Lamas – was konnte noch perfekter sein als dieser Tag? Das volle Paket der Andenerfahrung. Durch diese eine Tour habe ich aber noch lange nicht alles und schon gar nicht genug gesehen! Ich möchte auch nicht behaupten, dass diese Tour, die wahren Anden dargestellt haben oder dass es überhaupt eine wahre Beschreibung der „wahren“ Anden gibt, für mich war es dennoch ein perfekter Tag, mein persönlicher perfekter Tag. 

Die Sonne strahlt uns am Ende der langen Wanderung immer noch an

Die Sonne strahlt uns am Ende der langen Wanderung immer noch an

Grasende Lamas beim Abstieg vom Huaytapallana

Grasende Lamas beim Abstieg vom Huaytapallana

Riccarda und ich beim Abstieg vom Huaytapallana

Riccarda und ich beim Abstieg vom Huaytapallana

Sechseinhalb Stunden gewandert - Geschafft! - Die Freude und der Stolz sind ziemlich groß! Und doch ist meinerseits noch erstaunlich viel Energie da

Sechseinhalb Stunden gewandert – Geschafft! – Die Freude und der Stolz sind ziemlich groß! Und doch ist meinerseits noch erstaunlich viel Energie da

Ich kann nur für mich sprechen aber für mich war diese Erfahrung eine der schönsten, unwirklichsten und perfektesten, die ich in Erinnerung habe. Ich würde am liebsten jetzt sofort eine längere Tour über mehrere Tage buchen oder planen und loswandern. Am Ausgangspunkt angekommen zog der Himmel ziemlich schnell zu und hüllte die Berge nach und nach in mystisch aussehende Nebelschwaden. Wir waren also zur richtigen Zeit zurück.

„ABRA HUAYTAPALLANA“ (Gebirgspass Huaytapallana) – Nach unserer Rückkehr werden die Berge schnell in Nebel getaucht

Ich kann eigentlich versichern, dass dies nicht meine letzte Bergtour sein wird und dass ich auf jeden Fall vorhabe hier so viel zu Wandern wie auch nur möglich. Es macht mir einfach extrem viel Spaß – so viel Spaß wie ich es mir nie hätte erträumen dürfen.

Hasta la próxima caminata que llegará muy pronto!

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